In Love with Barbarella

Theater Basel 
Open Air
Premiere: 09.06.2012

Regie: Petra Barcal
Bühne/Kostüme: Valentin Köhler
Musik: Johannes Hofmann

Mit: Hanna Eichel, Dirk Glodde, Benjamin Kempf, Carolin Schär





















Fotograf: Peter Schnetz



Kritiken:


Tageswoche 15.06.2012

Die Space-Heldin landet im Grossbasel und verführt mit vollem Körpereinsatz und kurzweiliger Unterhaltung. Von Jana Kouril
Zugeknöpfter als im legendären Film, dafür in legendärer Kulisse: Barbarella. 

So galaktisch komisch das Spektakel unterhält, so ganz unpassend klassisch ­startet man in den Theaterabend. Mit einer Fuge Bachs im Ohr wird man auf den psychedelischen Spacetrip unter freiem Himmel nicht vorbereitet – aber doch auf die sonderbare und oft auch absurde Szenerie behutsam eingestimmt.



Das rund einstündige Stück «In Love with Barbarella – a psychedelic Space Trip»bietet den Zuschauern ein besonderes Theater­erlebnis: Zwischen den mit ihrer abstrakten Form futuristisch anmutenden Pyramiden bei der Elisabethenkirche befindet sich Barbarella auf ihrer Mission mitten in Basel. Sie soll den Wissenschaftler Duran-­Duran, der auf Sogo vom schwarzen Tyrannen festgehalten wird, retten. Denn von Duran-Duran hängt die Harmonie des Universums ab. Er hat – wie jeder Barbarella-Fan weiss – den positiven Elektrodenstrom erfunden.

Konfrontation mit bösen Mächten

So macht sich Barbarella, Erdenfrau und Astronavigatrice, in ihrem mit flauschigem Plüschteppich ausgestatteten Raumschiff auf, den universalen Frieden zu sichern. Und stürzt zwar zweimal ab, aber immer ­gewappnet für neue Abenteuer.
Diese Abenteuer sind vielfältiger Art: Verschiedene Konfrontationen mit bösen Mächten muss Barbarella überstehen, so zum Beispiel die exzessive Maschine, die Menschen mit einer Überdosis an sexuellen Reizen umbringt. Aber Barbarella bringt so schnell nichts um. Die Schauspielerin Hanna Eichel in der Rolle der Eros-Fiction-Heldin setzt die oft verfänglichen Szenen mit einer Tolpatschigkeit, Komik und Witz um, die jedes ­Science-Fiction-Trash-Herz erfreut.

Gestörter Funk für perfektes Retrofeeling

Fitnessqueen und Schauspielerin Jane Fonda, die die kultige Comicfigur in der ­Verfilmung von 1968 des französischen ­Regisseurs Roger Vadim spielte, wäre stolz auf diese Inszenierung. Auch wenn während des ganzen Stücks weniger nackte Haut zu sehen ist als in den ersten fünf Minuten des Films.
Mit Sätzen wie «Lass ihn frei, sonst schmelze ich dir das Gesicht» hält sich ­Barbarella die gefährlichsten Gegner vom Leib – so lange sie dies für nötig hält. Denn nicht immer bleibt es beim Einwerfen einer «Verzückungspille» anstelle der Bettgymnastik. Barbarella ist halt doch noch eine Menschenfrau.
Vorlage des Theaters war ziemlich genau das Script des Films von 1968, Vorlage des Films der Comic des französischen Zeichners Jean-Claude Forest. In der Basler Ver­sion von «In Love with Barbarella – a psychedelic Space Trip» hört man über die kabellosen Kopfhörer die Sprechstimmen der Schauspieler und Electrosounds, ab und zu stört der Funk – aber das macht das ­Retrofeeling perfekt. Jeder erlebt allein eine eigene akustische Reise und doch lacht man zusammen – schon allein diese Erfahrung ist einen Besuch wert.


Basellandschaftliche Zeitung 11.06.2012